Mittwoch, 18. November 2009

Zwiespalt

Heute war ein zwiespältiger Tag. Oder besser gesagt: man könnte ihn in zwei Phasen spalten. In der einen Phase hatte ich Zahnschmerzen. In der anderen Phase ging es mir richtig gut. Und diese Phasen wechselten sich ab...

Als ich gestern Abend nach einem langen Arbeitstag spät nach Hause kam, tat mir alles weh- vor allem die linke Hälfte aller Zähne. Der Schmerz zog ins linke Ohr und in den Kopf... unangenehm. Aber eine Ibuprofen half sehr gut.

Heute morgen wachte ich mit den gleichen Schmerzen auf. Als ich beim Zahnarzt anrief, bekam ich zunächst nur einen Termin für Freitag. Doch schon bald merkte ich, es wären unerträgliche Tage bis dahin... So rief ich noch mal an, und hatte- nach etwas Jammern- einen Termin um kurz vor 10 Uhr. Mit Jonas im Gepäck kam ich auch recht schnell dran. Meine Theorie von "nach vorne drückenden Weisheitszähnen" wurde schnell verworfen. Die Ursache war bald ausgemacht, es wurde gebohrt, und ich wusste nicht, wie laut ich schreien sollte, wenn es mal weh tat, denn schließlich saß Jonas mir gegenüber, Wau-Wau auf dem Schoß und eine Banane verspeisend. So hielt ich tapfer durch, und Jonas (!!) bekam dafür ein Belohnung... die Welt ist wirklich manchmal ungerecht!

Wieder zu Hause gönnte ich mir wieder eine Tablette, und der Tag war richtig gut. Leckeres Mittagessen, Sonnenschein und blauer Himmel. Dann eine Runde Musik mit dem Studenten von neulich aus dem Treppenhaus. Er spielt wirklich toll Trompete, und die drei Stücke, die wir gespielt haben, haben richtig Spaß gemacht! Nächste Woche wollen wir uns wieder treffen und Musik machen.

Auch der Abend war gut, doch jetzt scheint die Wirkung der Tablette wieder nachzulassen... Heute morgen habe ich sogar gedacht: Wenn ich jetzt die Schweinegrippe kriegen sollte, und müsste sterben, das wäre schon schade. Es wäre mir ganz schrecklich wegen unserer Kinder, von denen ich noch möchte, dass sie möglichst lange was von ihren Eltern haben. Und es wäre mir ganz schrecklich wegen Stefan, den ich zurücklassen müsste. Aber ansonsten habe ich keine Angst vor dem Sterben. Irgendwie denke ich manchmal, dass es sicher ganz schön aufregend wird, wenn man merkt, dass es soweit ist. Eine Reise, von der keiner so wirklich detailliertes erzählen kann. Eine Reise, die ich- irgendwie- ganz alleine antreten muss.

Was Zahnschmerzen alles so für Gedanken an Tage fördern, kann schon unheimlich sein. Jetzt werde ich aber noch mal eine Tablette nehmen, und hoffen, dass der Zahnarzt am Freitag entscheidet, dass der betreffende Weisheitszahn raus muss. Ich werde ihn nämlich nicht vermissen.

Freitag, 13. November 2009

Musikerbegegnung

Wenn ich Klavier spiele, dann tue ich das in erster Linie, weil ich Spaß am Klavierspielen habe. Es tut so gut, auf die Noten zu blicken, die Finger zu bewegen, die Tasten zu spüren, und gleichzeitig dem Klang der Musik zu lauschen. Es hat sowas mehrdimensionales. Gleichzeitig schalten die anderen, störenden Gedanken, ab, und es wird etwas luftiger im Kopf. Und die Seele füllt sich nach und nach mit den schönen Klängen.

Wenn ich Klavier spiele, mache ich auch Musik für alle, die sich zufällig irgendwie mehr oder weniger in der Umgebung aufhalten. Entweder die Besucher eines Gottesdienstes, oder meine Familie oder Nachbarn. Aber auch die Menschen, die auf der Straße langgehen und ein paar Töne durch das geöffnete Fenster aufschnappen. Schon oft stand ich irgendwo in irgendeiner Stadt, und der Klang von Klaviermusik drang an mein Ohr. Dann blieb ich stehen, lauschte der Musik, und fragte mich, wer da wohl am Klavier oder Flügel saß, und genoss es, unbemerkt zuzuhören.

Wenn ich Klavier spiele, muss ich manchmal auch daran denken, wie die Musik, die ich gerade spiele, vielleicht auf die Menschen wirkt, die sie zufällig hören. Im Sommer habe ich mich das gefragt, wenn das Eiscafe in unserer Straße vollbesetzt war, und ich wegen der Hitze nur bei offenem Fenster spielen konnte. Manchmal habe ich auch mir in Gedanken versunken Geschichten ausgedacht. Wenn ich z.B. an einem tollen Flügel in irgendeiner Musikschule üben durfte, und der Klang durch den Saal hallte. Dann stellte ich mir vor, wie der Saal vollbesetzt ist, und wie die vielen Zuschauer begeistert zuhören, und abschließend zum tosenden Beifall von ihren Plätzen springen. Welch eitle Gedanken! Ja, ja, Musiker sind in der Tat ein eitles Völkchen.

Als ich heute Klavier spielte, dachte ich nicht im Traum daran, dass ein mir Unbekannter meiner Musik lauschen würde. Als Stefan einen Müllbeutel vor die Wohnungstür stellen wollte, traf er ihn. Einen Studenten, der zu Besuch gewesen war in der Studenten-WG über uns im Haus. Er stand im Treppenhaus und hörte dem Klavier zu, und wie es eine Beethoven-Sonate zum Besten gab. Er spielt Trompete, und sucht jemanden, der Lust hat, ab und an mit ihm Musik zu machen. Demnächst bringt er mir ein paar Noten vorbei, und vielleicht spielen wir dann was zusammen. Ich bin gespannt, wie laut seine Trompete ist, und wie unsere Jungs das mitmachen. Trotzdem freu ich mich drauf.

Donnerstag, 12. November 2009

"Man wird nur einmal..."

Als ich gestern Abend vor den Kinderbetten meiner älteren Söhne auf dem Fußboden saß und Geschenke einpackte, wurde ich aufmerksam von zwei Augenpaaren beobachtet. Sie hatten nicht alleine einschlafen wollen, vor einer großen, schwarzen Katze Angst gehabt, und so hatte ich mich zu ihnen gesellt. Und während nachgezählt wurde, wie viele einzelnen Päckchen im Beutel verschwanden, seufzte mein Ältester auf. Da erklärte ich ihm: "Schließlich wird Papa nur einmal 40 Jahre alt!".
Er überlegte nur einen etwas längeren Augenblick. Und dann erwiderte er trocken und genussvoll: "Und ich werde auch nur einmal 6 Jahre alt!"
Wo er recht hat hat er recht.

Dienstag, 10. November 2009

kurze Pause

Seit gestern Abend bin ich wieder zu Hause. Nach knappen 4 Tagen Dauer-Sitzen habe ich bereits den aktiven Kinder-Fertigmachen-und-zur-Kita-brigen-vormittag sehr genossen. Jetzt ist auch der Kleinste im Bett, und ich chille noch ein wenig am PC, ehe ich die Wohnung aufräume, oder vielleicht auch einfach erst mal wieder "ankomme". Es steht mir eine schöne Woche bevor- erst mal drei volle Tage mit den Kindern, inklusive Besuch bei einer Freundin, Laternenlauf am St. Martins Tag und Vorbereitungen für den großen Freitag- mein Gatte wird 40. Freunde kommen von hier und da zu Besuch, die Wohnung wird sich reichlich füllen mit diesem und jenem, und sollte vorher noch von diesem und jenem Unaufgeräumten und Dreck befreit werden. Dann aber ist feiern angesagt! Nebenbei versuche ich, die vielen, anstehenden Termine und Projekte gedanklich zur Seite zu schieben, um richtig abzuschalten und aufzutanken. In Elstal habe ich viele neue Menschen kennen gelernt, viele Eindrücke und Informationen aufgesaugt, und die gilt es erst einmal in die richtigen Dateien abzuspeichern und abzulegen. Jetzt mach ich mir aber erst mal einen leckeren Cappuccino.

Donnerstag, 5. November 2009

stay friends

Morgen fahre ich für ein verlängertes Wochenende nach Berlin. Zur BUKO. Da treffen sich zwei Mal im Jahr alle ehren- und hauptamtlich in unseren Gemeindejugendwerken tätigen Mitarbeitenden zu einer Konferenz. Nachdem ich heute den ganzen Nachmittag mit unseren drei Söhnen in insgesamt 5 (!) Geschäften den Wocheneinkauf erledigte, freue ich mich direkt auf diese Tage. Danach kann ich mich dann ganz neu wieder an meiner Familie erfreuen... : )

Vorbereitend hatte ich heute meinen Posteingang der persönlichen Mails durchforstet. Ich wollte endlich aufräumen. Mails von Freunden und Bekannten, denen ich in Ruhe antworten möchte, habe ich auf meinen Dienst-Posteingang verschoben, um evtl. im ICE oder in den Pausen der Konferenz in Ruhe vom Laptop aus zurückmailen zu können. So leerte sich das Fach, bis ich an dieser Mail von "stay-friends" hängenblieb. Vor fast 2 Jahren oder so hatte ich hier mal geguckt, mich angemeldet, und nie wieder reingeguckt. Mit facebook bin ich ja vollends ausgelastet, so hatte ich schon mehrmals den Versuch unternommen, meinen account zu löschen. Diese Aktion sollte heute nun gelingen. Was ist das Ende vom Lied?? Ich habe jetzt nen Haufen neuer Kontakte von hier und da, und eine neue Seite zum "Kontakte pflegen". Als wenn es nicht schon genug Kontakte zu pflegen gäbe. Ärgerlich, dass die Macher dieser Seiten auf so Menschen wie mich setzen, die es nicht checken, sich abzumelden, und stattdessen am Ende mit neuen Kontakten hängenbleiben....

Mittwoch, 4. November 2009

Eltern hochbegabter Kinder...

...können ganz schön anstrengend sein. Denn meistens denken sie ja bloß, ihre Kinder seien hach so hochbegabt. Während der Rotzlöffel von Bengel herumsaust, kleinen Kindern auf den Kopf schlägt und überhaupt nur Scheiße baut, beobachtet ihn die glückliche Mutter mit selig-feucht-glänzenden Augen und dem gewissen Kopfnicken mit dem Blick: "Ist er nicht einfach toll, mein Sohn?".

Gestern Abend startete bei einem öffentlich-rechtlichen Fernsehsender eine neue Show mit einem gewissen Typen namens "Nuhr". Auch er machte sich über jene Eltern lustig. Da konnte ich nur zustimmend nicken.

Heute aber kamen mir Gedanken über meine eigenen Söhne. Die sind nämlich TATSÄCHLICH hochbegabt. Das bilde ich mir ja nicht nur ein, schließlich sind auch Mütter in der Lage, einen objektiven Blick auf ihre Kinder zu richten, jawohl! Niklas z.B., der rechnet mit seinen 5 Jahren schon die wildesten Sachen zusammen. Über seinem Bett hängt ein langer Papierstreifen an der Wand, mit Zahlen von 5 bis 23. Am 23. diesen Monats wird er 6 Jahre alt, und jeden Tag schneidet er eine Zahl ab. Waren sie vor 2 Wochen noch spiegelverkehrt, so kann man diese Zahlen alle richtig lesen. Und gestern, als ich meinte, dass eine halbe Stunde Fernsehgucken reicht, rechnetet er mir laut vor: "Aber Mama, Wicky geht 19 Min., und eine Folge Dodo dauert doch nur 5 Minuten, das macht erst 24 Minuten!". Was soll man dazu sagen? Wo er recht hat, hat er recht.

Und sein Bruder Felix kann mit seinen 4 Jahren auch schon seinen Namen und den seiner Oma Inge schreiben. Wenn das nicht hochbegabt ist.

Sollte ich tatsächlich auch so eine dieser seltsam verblendeten Mütter sein? Irgendwie kann ich es mir nicht vorstellen.

Montag, 2. November 2009

wenn der Fernseher fliegt...

... dann träumt man, hat Drogen genommen, oder einen "Scheißegal-Schnaps" zur OP-Vorbereitung intus!

Am Freitag war es endlich soweit, morgens um Viertel vor 7 machte ich mich mit unserem ältesten Sohn an der Hand auf den Weg zum Krankenhaus. Zum Glück befindet sich das nur zwei Straßen weiter. Er sollte die Drähte aus seinem linken Unterarm herausoperiert bekommen. Als wir auf der Station ankamen, brachte eine Krankenschwester uns ein blaues OP-Hemdchen mit Elefanten und Herzchen drauf, außerdem jenen Schnaps. Natürlich war Niklas nüchtern, aber äußerst guter Dinge, und wir unterhielten uns angeregt über dies und das. Das änderte sich, nachdem das Zeug begann, Wirkung zu zeigen. Seine ganze Gesichtsmuskulatur erschlaffte, und sein Reden wurde zu einem Lallen und war irgendwann gar nicht mehr zu verstehen. Immer wieder begann er, einzudösen, aber nur, um wieder aufzuschrecken und wild zu gestikulieren: "Mama, da sitzt Felix! Siehst du ihn auch?" Dann sah er Jonas auch noch irgendwo, bis dann der Fernseher zu fliegen begann. Ganz schön mulmig, sag ich euch. Was passierte da mit meinem Kind? Was haben sie ihm da gegeben? Ich saß noch immer neben ihm, er war noch immer Niklas, aber nur wie durch einen Schleier hindurch, der immer dichter zu werden schien. Die Dreiviertelstunde, die wir auf die OP warten mussten, wurde schier unendlich. Auch die beruhigenden Sätze, diese Reatkionen seien völlig normal, konnten mich nicht wirklich beruhigen. Als ich mich dann an der "Scheuse" zum OP von ihm verabschieden musste, musste ich erst einmal eine kleine Runde heulen, wie Eltern das zu tun pflegen, die sich um ihre Kinder sorgen machen. Hätte ich das je geahnt, wie viele Sorgen und innerliche Schmerzen ein Kind mit auf die Welt bringt, hätte ich mich dann noch immer dafür entschieden? Zum Glück muss ich mich das nie fragen, denn eine Antwort hätte sowieso keine Konsequenzen. Und zum Glück habe ich mich das nicht schon vor 6 Jahren gefragt. Da wollte ich einfach nur ein Kind. Mehr nicht.

Irgendwann kam Stefan dazu, und als uns eine Schwester in den Aufwachraum rief, hörten wir schon im Flur das Geschrei. Niklas hatte höllische Schmerzen im Arm, und welzte sich hin und her und schrie. Er hatte schon ein Zäpfchen bekommen, und jetzt gab man ihm auch noch ein Schmerzmittel über die Kanüle am Arm. Aber bis das Zeug half, sollte eine ganze halbe Stunde vergehen. Wie hilflos wir da am Bett saßen. Einfach nur gut zureden und dasein konnten. Mehr nicht. Das tut schon weh, jemanden leiden zu sehen, den man so schrecklich gerne hat.

Aber auch diese halbe Stunde ging vorbei, und für den Rest des Tages hatten wir wieder einen Niklas, wie wir ihn kennen und lieben. Viele Gespräche über dies und das, Bücher haben wir gelesen und Rätsel gelöst, das "Sieben-Geißlein-Spiel" gespielt und immer mal wieder ein Schlückchen Wasser gegen den schrecklichen Durst angereicht. Bis alles wieder rauskam, und immer wieder rauskam. Bis in den Nachmittag hinein musste er sich immer und immer wieder übergeben, der Arme. Um 15 Uhr bat ich dann eine Schwester, etwas dagegen zu unternehmen, und sie brachte ein Zäpfchen gegen die Übelkeit. Als auch das Getobe und Geschrei geschafft, und das Zäpfchen da war, wo es hin musste, ging es irgendwann besser. Als wir ihn am Abend wieder bei uns zu Hause hatten, verspeiste er fast die ganze Packung Zwieback, etwas anderes sollte er ja noch nicht, dabei war der Hunger plötzlich soo groß...

Die Drähte durfte er mit nach Hause nehmen. Der eine glatt und gerade, der zweite ist zur Hälfte krumm und verbogen. Der war schon ganz fest gewachsen. Kein Wunder, dass sein Arm so geschmerzt hat, da hatten die Ärzte wohl ganz schön Kraft anwenden müssen...